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Die Kunst der politischen Bewusstseinsänderung

Cellische Zeitung 

Reinald Hanke

 

WINSEN.
Als vor einigen Wochen Henning Venske, ein Urgestein des klassischen westdeutschen politischen Kabaretts, in Celle zu erleben war, musste man sich fragen, ob sich dieses Genre nicht vielleicht doch überlebt hat. So humor- und pointenfrei, so belehrend statt unterhaltend kam Venske daher.

 

Im Winser Kulturcafé konnte nun erlebt werden, dass es auch anders geht, wenn man denn sein kabarettistisches Handwerk entsprechend gut beherrscht.

 

Gerd Hoffmann, ein Mann aus der großen Tradition des ostdeutschen Kabaretts, führte das brillant vor.
Hoffmann redete einfach drauf los. Scheinbar ziellos spricht er sein Publikum an, ja, er überrumpelt es geradezu mit seinem Wortschwall, der von einer Assoziation in eine andere springt. Wie er von einem gesellschaftlichen Missstand auf den Zustand der SPD kommt oder auf den Bildungsstand heutiger Schüler und dabei sein Publikum wie selbstverständlich mitnimmt, das hat Format, wie man es im Fernsehen heute leider fast gar nicht mehr erleben kann.

 

Hoffmann schont dabei keine Schicht der Bevölkerung. Manchmal gelingen ihm solch raffinierte Gedankengänge, dass man es erst nach einem Moment der Verzögerung merkt, hier selbst gemeint zu sein.Hoffmann geht auch, die Freiheit seiner Kunstgattung bis an die Grenzen auslotend, bis hin zu Tabubrüchen, die so manchen Zuhörer möglicherweise für einen Moment irritieren können.
Aber dadurch, dass er dann von einem Thema zum nächsten ganz schnell eine Wendung findet, wird nichts breitgetreten oder zur ärgerlichen Provokation um ihrer selbst willen.
Und fast im Vorbeigehen bekommt auch unser freiheitsliebender Bundespräsident sein Fett weg, wenn er als einer bezeichnet wird, der über alles seine kaum verträgliche Freiheitssahnesoße kippt.

 

Ja, so macht Politkabarett Spaß, so kann man einmal wieder der positiven Illusion erliegen, dass Kunst Bewusstseinsänderungen hervorrufen könnte.
Bitte wiederkommen.